3-2-1 nicht meins!

Manchmal plant man etwas wochenlang – bereitet sich akribisch auf einen ganz bestimmten Tag vor und dann kommt innerhalb weniger Stunden trotzdem alles anders? Kennste? Ich auch! Spätestens seit heute! Ich bin um etwas mehr als die halbe Welt geflogen, habe zwei Wochen abgewartet um an die nördlich(st)e Spitze von Uruguay zu reisen… Wozu? Man könnte meinen all das nur für eine Frau, aber nein – für mein Auto! Da stehe ich also heute früh um Punkt 8 an der Plaza de Independencia hier in Melo und freue mich wie ein Schnitzel auf die 4 Räder die für mich die Welt bedeuten. Da steht also dieses 4 Meter lange und mehr als 2 Meter hohe Prachtexemplar von japanischer Ingenieurskunst… Dem äußeren nach etwas in die Jahre gekommen – Baujahr ´87, kein Problem! Die stolzen (fast Ex-) Eigentümer sind für die frühe Stunde auch schon auf Hochtouren am Schwärmen über vergangene gemeinsame Abenteuer mit dem Biest. Meine ADAC-Gebrauchtwagenkauf Checkliste sowie Timoteo ein befreundeter Anwalt hier bringen da schon etwas mehr Ernüchterung rein. Er kümmert sich um die Papiere, die wie sich herausstellt nicht mehr als laminierte Fotokopien des vergangenen Jahrtausends sind. Damit wäre ich höchstwahrscheinlich bereits an der Grenze zu Brasilien gescheitert. Doch dieser Moment sollte noch lange nicht der Höhepunkt meines heutigen Tages sein… Hier und da ein bisschen Korrosion, der Innenausbau dann doch eher sehr behelfsmäßig aber lässt sich ja alles richten mit ein paar Latten, Leim und Schleifpapier. Ich lege mich also unter die Karre mitten auf die Rambla und sehe mit meinen de facto nicht vorhandenen KFZ-Kenntnissen nicht viel bis auf schlammiges Blech. Wären da nicht diese zwei Pfützen gewesen. Wo kommen die denn her? Wie lange steht ihr hier? 15 Minuten?! Ich werde nervös. Auf einmal fällt Daniel, dem Verkäufer ein, dass er sich ja bereits seit fast einem Monat bei mir entschuldigen wollte… Ihm sei bei unserem ersten Skype Telefonat entfallen, dass eine der Macken an der Karre die leckende Servolenkung sei, die ich doch bitte – so wenn ich mich zum Kauf entscheide – spätestens alle 3 Tage mit neuem Hydrauliköl auffüllen solle. Hat der das gerade ernst gemeint? Kann man so etwas vergessen? Wenn man will bestimmt. Ich halte mich zurück mit Gefühlsausbrüchen, Timoteo raucht mittlerweile Kette. Öl aufgefüllt und ab zur Probefahrt! Diese gestaltet sich unerwartet kurz, da der Motor beim Gas geben Geräusche von sich gibt die mir Gänsehaut bereiten. Also doch lieber direkt in die Werkstatt, ich brauche die Meinung eines Fachmanns. Timoteo hat zum Glück einen an der Hand. Also das Biest auf der Hebebühne geparkt und erst mal zurück in die Stadt um in der Klima von Timoteos Kanzlei die Wartezeit zu überbrücken. Vor meinem inneren Auge sehe ich schwarz. Rabenschwarz. Ich hatte fast ein halbes Jahr gebraucht um etwas halbwegs Brauchbares zu finden. Endzeitstimmung. Nach weniger als einer halben Stunde meldet sich der Mechaniker per Telefon. Die fetzen Pampaspanisch klingen gar nicht gut. Irgendwas von tausend(en?) Euros und Werkstätten im weit entfernten Montevideo. Ich will kotzen. Geht nicht der Schreibtisch auf den ich meinen Kopf schlage ist zu teuer. Das Resümee, mit der Karre in diesem Zustand nach Patagonien zu fahren = lebensgefährlich. Alternativen müssen her, aber schnell! Ich brauche ein zu Hause auf vier Rädern und das am besten schon gestern! In Paraguay soll es massenhaft 4x4s geben und dazu auch noch günstiger!? drivetheamericas.com liefert prompt. Ein neues Inserat online seit Mitte Dezember: Mitsubishi Delica L400 ´97. Um knapp 10 Jahre jünger und weit mehr als 100.000km ärmer soll er sein. Standort Asunción, Paraguay. Verfügbar ab sofort. Ein Telefonat später steht fest: Weihnachten wird in Paraguay gefeiert!