Ich und mein Staub…

Ich und mein Staub
Ich und mein Staub

Okay, der Song beginnt und er bekommt ein Thema ich und mein Staub
Und das Thema heute, es heißt Staub ich und mein, ich und mein Staub
Staub sieht sehr schön aus, Staub ist vielseitig ich und mein Staub
Du kannst ihn atmen, du kannst ihn schmecken ich und mein, ich und mein Staub
Ja, wenn du ihn atmest, dann spendet er Husten ich und mein, ich und mein Staub
Aber wenn du riechst, dann nicht ah
Und jetzt mal alle in this Chaco, joa

Ich und mein Staub
Ich und mein Staub

 

…frei nach 257ers

 

Ja ich bin noch bei klarem Verstand, auch wenn dieser derzeit etwas knirscht so wie so ziemlich alles hier was länger als 1 Millisekunde an der frischen Luft war! Ich bin im Chaco. Darauf erstmal ’ne Pulle Sekt. Fast 500km „Gute Straßen – Schlechte Straßen“ liegen hinter und unter mir. Mein Auto tat mir dabei echt leid. Wollte ich es doch nur auf Herz und Nieren testen und nicht gleich kaputt fahren. Keine Sorge, nichts ist passiert. Ich weiß nicht wer mehr gelitten hat, mein Gewissen oder die Stoßdämpfer… Nun bin ich hier – am Arsch der Welt. Allein, allein? Nein! Neben mir haben die meisten der 5000 Einwohner der Stadt Fernland den selben Pass. Abgefahren!!! Deutsch ist hier nicht mehr meine kleine Geheimsprache die ich gegenüber Latinos anwenden kann, nein, eher Alltags-, Amts- und Umgangssprache. 

Blumenau, Schönau, Neuwiese, Fernheim, … – Meyer, Hein, Penner, Friesen, … verkehrte Welt!

Spanisch lernen fällt hier schwer 🙂 Meinem Gewissen ist das aber egal, fühlt sich hier sowieso in die Heimat zurückversetzt!

Diesen Sonntag war Grenzen schieben angesagt. Während dem brunchen haben David – ein Freund vor Ort – und ich, spontan die Idee geboren, dass heute doch ein guter Tag zum Jagen sei. So weit so gut. Ort und Ziel waren hierbei dann doch eher ungewöhnlich. Zuerst zum Ort: Endebahn. Ja, so heißt dieser kleine ehemalige Bahnhof im „Nichts“ aka. Chaco. Hier kamen die ersten Siedler mit der Eisenbahn an. Danach ging es weiter mit dem Ochsenkarren ca. 150km in Richtung der eigentlichen Kolonien. Wer das Land, Klima sowie die großen und kleinen Tierchen hier erlebt hat empfindet tiefen Respekt für diese Leistung! Eben diese 150km Sandstraße fuhren wir. Kurz vor einem bevorstehenden Regenguss fragte mich David ganz beiläufig ob ich denn auf Matsch fahren könnte… Na klar! Keine halbe Minute später haben wir zwei mit ca. 70km/h einen Donut gedreht. Zum Glück ohne Gegenverkehr und Bad im Sumpf rechts und links des Weges. Danach Spontanheilung. Steuer abgeben und vom Meister lernen. Matsch = Eis. Wer bremst verliert. Nun zum eigentlichen Ziel. Wildschwein? Reh? Kann ja jeder! Nein, wir hatten es auf Kaimane abgesehen. Das sind diese niedlichen Babykroks die auch mal 4m groß werden können… Nach 3 Stunden Fahrt one way ohne Ziel links und rechts des Weges wechselten wir die Taktik. David stieg mir aufs Dach um bei der Fahrt bessere Sicht über die Tümpel zu haben. Leider ohne Erfolg. Resümee des Tages viel Rauch um Nichts. Das Abendessen war mit 2 Wildenten dennoch gesichert!  Nach ca. 700km Fahrt auf Strecken die der Bezeichnung „Straße“ nicht würdig waren führte mich mein Gefühl am nächsten Morgen in eine örtliche Werkstatt. Eigentlich nur der defekten Klima wegen. Glück gehabt! Einen Rundumcheck später war klar – keine 5000km später wäre mir ein Vorderrad weggebrochen. Also 2 Tage Zwangspause. Ich verstand mich mit Alfred – meinem Mechaniker – so gut, dass er mich Abends auf den Schießplatz mitnahm. 

Hierzu ist anzumerken, dass der von Mennoniten gepredigte Pazifismus gerne mit der Bibel durchgeknüppelt wird. Wenn diese den Kontrahent nicht befriedet, muss dieser halt Blei fressen. So einfach ist das hier im Chaco, wo wahrscheinlich mehr Kugeln als Sandkörner zu finden sind…

 

Dennoch: Ich wurde selten so herzlich in eine Gemeinschaft aufgenommen wie in Fernheim!

 

Meine Testfahrt hat sich mehr als ausgezahlt! Nun starte ich mit viel Vertrauen in (Mensch und) meine Maschine in Richtung Meer… Wasser in Sicht!