Mbuni

Total blockiert. So in etwa habe ich mich die letzten zwei Wochen gefühlt. Deshalb kommen diese Zeiten auch mit etwas Verspätung… Nicht das es an Erlebnissen oder Eindrücken gemangelt hätte! Nein, es war schlicht und einfach dieser Ort an dem ich mich seit knapp zwei Wochen befinde, welcher mich so in Beschlag nahm, dass ich nun erst den Zeit-/Raum für diese Zeilen finde…

Stell dir vor, du liegst in der Hängematte und vor dir steht ein Vogelstrauß. Du halluzinierst nicht. Du bist in Paraguay. Genauer gesagt mitten im Campo in der Nähe von Nueva Colombia. Doch wie kommen du und der Strauß hier hin? Du bist vermutlich Gast hier auf der Farm so wie ich, aber der Strauß? Den hat Lothar gezüchtet. Neben circa 50 weiteren die sich hier seit knapp 11 Jahren auf 17 Hektar Weideland ihres Lebens freuen. Anne und Lothar kamen damals mit einem Container und ihren 3 Kindern aufs Land. Vision: Freiheit. Vielleicht ist es eben diese Freiheit welche die beiden hier gefunden haben, die mich so an diesen Boden fesselt. Die Granja de Avestruz ist wunderschön gelegen. Von der Hauptstadt Asuncion sind es zwar keine 40km bis hier hin, doch diese teils auf Pfaden, die dem Namen dieser Seite alle Ehre machen. Ich fand den Weg hier hinaus aufs Land, der Einladung auf ein Straußenei zum Frühstück folgend. Das stellte sich hier dann allerdings als unbezwingbar für eine Person heraus. Ein Ei = genug Omelette für 10 Personen! Verrückt. Genauso sind auch die Leute die hier her ziehen – könnte man meinen – wenn man sich das Klima hier jetzigen Sommer mal für zwei Wochen gibt. Tagestemperaturen an die 40°C kombiniert mit einer erbarmungslosen Luftfeuchtigkeit. Ich könnte hier auch am Pool liegen, jedoch lag ich hier meistens in, unter oder auf meiner Karre. Das von früh morgens bis spät abends. Hat sich nicht viel geändert im letzten Monat könnte man meinen. Weit gefehlt! Mein Haus steht bei Nacht und rollt bei Tag. Geiles Gefühl! Mbuni gibt mir die ideale Basis für mein Vorhaben. Wenn ich nicht schraube, dann drehe ich das Lenkrad auf meiner persönlichen Teststrecke Nova Colombia – Asuncion – Nova Colombia. Ich hätte mehr Xavier Naidoo hören sollen vor meiner Abreise, dann wäre mir gegebenenfalls bewusster gewesen: „Dieser Weg wird kein leichter sein…“ Wie oft kam ich am Rande des Wahnsinns abends zurück auf diese Farm. Gründe hierzu gab es genug – Verkehr, Wetter, aufleuchtende Warnleuchten oder meine persönliche Unfähigkeit in mechanischen Belangen. Doch die Lernkurve war steil und es gab am Ende nichts, was Lothar abends auf der Terrasse bei einem guten Sonnenuntergang nicht wieder hat hinbiegen können. Wiedermal ein Glücksgriff. Eine Oase am Ende der Welt kombiniert mit einem Arsenal an Werkzeug und technischem Verständnis welches nur jemand horten kann, der sich seit 11 Jahren selbst helfen muss. Wenn alles gut geht, dann runde ich meinen Monat Paraguay am kommenden Wochenende ab mit einer Tour ins nichts. Dem Chaco. Halten Lack, Leim und Schrauben? Ich werde sehen. Wie geht es weiter? Bisher weiß ich nur dass ich am 11.02 ein Date in Sao Paolo habe. Karneval wird also in Rio gefeiert…